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21. Juni 2013

Qualitätsverbesserung von Fließgewässern - bürokratische Last oder ökologische Lust?

Donnerstag, 13. Juni 2013,
um 19:00 Uhr,
GLS-Bank, Herzog-Heinrich-Str. 18, 80336 München, 1.OG

Referenten:

  • Dr. Matthias Schneider
    SJE Ecological Engineering GmbH, Geschäfts-führer; Universität Stuttgart, WAREM-Water Resources Enegineering and Management, Course Director
  • Dr. Gregory Egger
    UBK Umweltbüro Kärnten, Geschäftsführer; Universität Klagenfurt, Fachhochschule Kärnten, Lehrbeauftragter

Schneider und Egger boten eine kurzweilige und  spannende Präsentation zu den Erfordernissen, zu den Möglichkeiten und zu praktischen Erfahrungen, Wasserkraftwerke naturverträglich zu gestalten. Es existiert ein umfassendes, wissenschaftliches Verfahren zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von einzelnen Flussabschnitten. Sie erläuterten den Anwendungsbereich, konkrete Schritte und Kosten von der Vorprüfung mit Maßnahmen- und Kostenklärung bis zur Umsetzung. Dieses Verfahren, welches sich in der Schweiz auf freiwilliger Basis und mit einem eigenen Label („green hydro“) bewährt hat, stellt im Gegensatz zu dem deutschen Erneuerbare-Energien- Gesetz sicher, dass zertifizierte Wasserkraftwerke in allen möglichen Wirkungsbereichen am Fluss funktions- und nachhaltigkeitsoptimiert betrieben und im Zuge der fünfjährlichen Nachzertifizierung fortlaufend nach aktuellen Wissen nachgebessert werden.

Anschauliche Details hierzu, wie Strömungslenkung für Fische, zeigten sie mit Ihrer Modellierungstool „Casimir“. Die sehr anschauliche und praxisnahe Präsentation ist ausgesprochen sehenswert:
Vortrag Dr. Matthias Schneider:Klicken Sie hier

Das deutsche  Erneuerbare-Energien- Gesetz bietet die entsprechende Förderung für Strom aus Wasserkraft ohne gesamtheitlichen flussökologischen Ansatz, aber keinen Anreiz für mögliche, wirksame und sinnvolle Verbesserungen im Wechselspiel von Naturnutzung und Naturschutz.

Egger veranschaulichte mit „Casimir“ an einem aktuellen Fallbeispiel, wie  rückstauende Wasserkraftanlagen die Hochwasserdynamik so verändern können, dass die Naturentwicklung der offenen Flusslandschaft im Unterlauf insbesondere durch ausbleibende viele kleinere Hochwässer verlorengehen kann, so wie es an den deutschen Alpenflüssen  geschah. „Casimir“ wurde seit über 20 Jahren weiterentwickelt und kann neben der Flussmorphologie auch die Wirkung von Hochwässern sowie die Funktion der Aue im Hochwasserfall modellieren. Es könnte nach dem aktuellen Hochwasser in Bayern und Ostdeutschland hilfreich sein, um integrierte Lösungen zu Hochwassermanagement, Wasserwirtschaft und Naturschutz zu finden.
Eine der  Natur entsprechende Nutzung der Wasserkraft erfolgt nach Einschätzung der Referenten in Ausleitungskraftwerken unter Beibehaltung der natürlichen Flussläufe mit natürlichen Ufern und der natürlichen Dynamik. Sie wiesen ausdrücklich darauf hin, dass eine Nichtnutzung von bestehenden Querbauwerken häufig eine schlechtere Lösung darstellt; so bleiben erfahrungsgemäß schlechtere Zustände bestehen, weil finanzielle Anreize zu umfassenden ganzheitlichen Lösungen fehlen.

Es gäbe viel zu tun für Umweltministerium, Wasserwirtschaftsämter, Naturschutzverbände, Kommunen, um Fließgewässer „ökologischer“ zu gestalten. Doch die Referenten sprachen die bedauerliche Entwicklung einer „Lagerbildung“ zwischen Kraftwerksgegnern und Kraftwerksbetreibern, zwischen Politik und Umweltverbänden  an, durch die ein offener Dialog für „best practice“-Lösungen untergehe; eine Situation, die wir, die Umwelt-Akademie, in Oberbayern leider auch feststellen müssen.


Die gut vorgebildeten Gäste der Veranstaltung, die teils extra weither angereist waren, zeigten sich durchwegs zufrieden mit ihrem Informationsgewinn.

 



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