Das Ernährungssystem braucht dringend Veränderung!
Unser Vorstand Helmut Schmidt war am 2. März 2026 zu einer Sendung (Nah dran) beim Bayerischen Rundfunk (BR2) eingeladen.
Gemeinsam mit Thomas Lang (LVÖ Bayern), der über die Vorteile des Bio-Landbaus und Ernährungssouveränität sprach, stellte Schmidt die zentralen Herausforderungen unseres Ernährungssystems dar – und zeigte auf, welche Weichen jetzt gestellt werden müssen.
Schmidt betonte, dass unser derzeitiger Lebensmittelkonsum enorme gesundheitliche und ökologische Schäden verursacht. Über 50 Milliarden Euro pro Jahr entstehen allein durch ernährungsbedingte Krankheiten. Gründe sind vor allem ein überhöhter Zuckerkonsum und ein viel zu hoher Fleischverzehr, die das Risiko für Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs deutlich erhöhen. Trotz hoher Gesundheitsausgaben liegt die Lebenserwartung in Deutschland weiterhin unter der von Ländern wie Spanien.
Auch die Umwelt leidet stark unter dem derzeitigen Ernährungssystem. Rund 90 Milliarden Euro an Umweltschäden fallen jährlich in Deutschland an – verursacht unter anderem durch Treibhausgasemissionen, Nitrate im Grundwasser sowie den massiven Verlust der Artenvielfalt. Pestizide, Fungizide und die Rodung von Regenwald für Futtermittel verschärfen die Situation zusätzlich. Schmidt erinnerte zudem daran, dass Tierleid in vielen Bereichen der Tierhaltung weiterhin ein ungelöstes Problem bleibt.
Um diese Entwicklungen zu stoppen, brauche es sowohl politische Maßnahmen als auch ein verändertes Konsumverhalten. Auf politischer Ebene machte Schmidt deutlich:
- mehr artgerechte Tierhaltung (z. B. Umsetzung der Borchert-Kommission)
- Ausrichtung der Agrarförderung am Gemeinwohl, nicht an Flächen, wie es die Zukunftskommission Landwirtschaft empfohlen hat.
- Konsequente Nutzung der WHO- und DGE-Empfehlungen als Leitlinie:
Eine pflanzenbetonte Ernährung von mindestens 75 %
Neben politischen Maßnahmen und Bildungsprojekten sei ein weiterer wichtiger Hebel die Reduktion von Lebensmittelverschwendung: Derzeit fallen pro Person rund 85 kg Lebensmittelabfälle an, davon etwa 50 kg in privaten Haushalten.
Schmidts Fazit: Nur mit einem neuen rechtlichen Rahmen und bewussteren Konsumentscheidungen kann ein Ernährungssystem entstehen, das Gesundheit, Umwelt und Tierwohl gleichermaßen schützt.