Stadtimker bringen Bienenvölker in die Stadt

Donnerstag, 18. September 2014
16:00-18:00 zwei-stündiger Stadtspaziergang

19.00 Vortrag "Bienenvölker in München"

Referentin: Erika Mayr, bayerische und internationale Stadtimkerin

Dieser Tag war wirklich ideal für urbane Bienenliebhaber und Naturschwärmer. Wer hätte ihre Liebe zu den Tierchen und ihr Glücksgefühl dabei besser spüren lassen als Dipl. Ing Erika Mayr Imkerin, Gärtnerin, und Gartenbauingenieurin?

Zu Beginn geht es rauf aufs Dach des 6. stöckigen Hauses von Green City Energy in der Zirkus-Krone-Str. für einen ersten Überblick:

Es ist ein wunderbarer Tag mit Blick bis in die Berge. Unter uns der der alte bekannte Zirkus-Krone-Rundbau und dazwischen ist alles betoniert, wie man es früher „sauber und pflegefreundlich“ gestaltete. Damals dachte noch keiner an Bienenstöcke hoch oben auf den Dächern und daran, dass auch oder gerade Städte vielfältig blühende Landschaften sein können, wenn wir es zulassen und selbst gestalten. Daneben, welch ein Kontrast, liegt das neue Dach der WWK Versicherung mit Dachterrassen und Dachbegrünung, alles noch ganz frisch. Dort blüht der gelbe Mauerpfeffer, sind Menschen vom Büro auf den Dachterrassen, das wirkt menschen- und bienenfreundlich. Im Anschluss stehen alte Kastanien, Ahornbäume und Linden entlang der Zirkus-Krone-Straße. Unten gleich anschließend im Osten liegt der Augustiner Biergarten mit den alten Kastanien. Diese vielen Bäume sind super für Bienen, hier sind sie den ganzen Sommer gut mit Nahrung versorgt.
Und wie ist es mit dem Wasser? Gerade im Sommer, wenn die Sonne oben auf den Dächern auf den Bienenstock brennt, brauchen die Bienen täglich Wasser in erreichbarer Nähe. Sie sind dann tagelang voll beschäftigt, Wasser in den Bienenstock einzutragen und ihn zu kühlen, um die Brut vor Überhitzung zu schützen. Also, wo ist die nächste Wasserstelle - vielleicht ein Brunnen oder eine Bienentränke? Wie sieht es hinter dem Biergarten aus, im Süden in der Arnulfstraße oder hinter dem Rundfunkgebäude? Und los ging's: die bieneninteressierten Münchner im Alter von 10 bis in die reiferen Jahrgänge schwärmten aus in die zauberhafte Welt der Bienen.

Unten im Biergarten beim Augustiner ahnt man gar nicht die Bedeutung der alten schattenspendenden Bäume für die Honigbiene. Blattsaugende Läuse scheiden dort ständig eine Zuckersoße aus, die Bienen und auch Ameisen als Nahrung dient. Wir kennen diese Soße als Honigtau und sind wenig davon begeistert, wenn sie Autos und alles unter den Bäumen pappig-schwarz verklebt. Das kann man in Kauf nehmen, wenn man sich bewusst ist, dass er lebensnotwendig ist für unsre Honigbienen und nebenbei für viele andere Tiere wie Vögel, Käfer, Ameisen und so  weiter.  
Als Gegenmaßnahme gegen den klebrigen Honigtau pflanzte man immer wieder Hybridbäume die für all die kleinen Tiere ungenießbar sind. Nun, mit steigendem Umweltbewusstsein, kommt man wieder ab von diesem Unfug. Die Hybridbäume sind mit ihren harten Blättern unverträglich z. B. für Schmetterlingsraupen, Läuse und damit ebenso unverträglich für Bienen. Ob man das bedacht hat? Hier im Biergarten jedenfalls sind die Bäume noch „echte, vollwertige“ Bäume, die nicht nur Schatten spenden und die Luft erfrischen, sondern zugleich blühen und duften, und in ihren Kronen Weide für ein ganzes Bienenvolk und anderes Getier sind. Unten am Eingang fanden wir den Biergarten bunt mit Blumen, aber leider nur „gefüllte“ Zierpflanzen wie Chrysanthemen, die weder Staubgefäße noch Nektar haben - gar nicht bienen- und schmetterlingfreundlich.

Draußen vor dem Tor in der Arnulfstraße fanden wir einen breiten Grünstreifen, wo die Straßenbahn fährt. Schön so. Und Bienen Hummeln oder Schmetterlinge? Fehlanzeige, leider nur Rasenflächen. Hier (zumindest an den Säumen der begrünten Straßenbahntrassen) könnten, so wie wir hörten, an den verschiedenen natürlicherweise vorkommenden Wildpflanzen 40 verschiedene Tagfalterarten leben, dazu die vielen Wildbienen und andere Insekten. Hier gäbe es noch großes Potential für die lebendige Naturvielfalt. Sanftblaue Wegwarten, roter Mohn, gelbes Greiskraut, tiefblaue Kornblumen, Natternkopf und Lein - sie alle würden hier gut wachsen, wären pflegefreundlich und wunderschön. Wer setzt sich dafür ein, dass sie hier wieder blühen?

Weiter ging es, vorbei am Rundfunk und an der Hopfenstraße. Die Nachmittagssonne war warm und schien auf die Fetthennen am Grünstreifen in der Fußgängerpassage. Sie sind voller Bienen. "Das ist ideal," meinte Erika Mayr. "Hier in der Nähe gibt es einen Bienenstock, sonst wären nicht so viele Bienen da. Und einige Meter weiter ist ein Brunnen, so haben die Bienen hier alles, was sie brauchen."

Und auch Erika Mayr hatte mit ihren Bienen und den interessierten Zuhörern alles, was sie sich wünschte. Man konnte richtig spüren, wie sie sich in die Bienen einfühlte und mitempfand. Ihre Bienen… Ja, Bienen können echt  glücklich machen. Und so erzählte sie über ihre Art zu imkern als Stadtimkerin über den Dächern. Bienenstöcke müssen nicht am Boden stehen. Anfangs waren alle besorgt, ob es den Bienen auf dem Dach nicht zu windig wäre oder im Sommer zu heiß. Und überhaupt, warum so anders? Mittlerweile ist es klar, dass beides funktioniert: die traditionelle Imkerei ebenso wie die moderne „etwas andere“ Stadtimkerei. Sie entstand in New York und gestaltete sich unter den Stadtbedingungen eben etwas anders. Anstatt der horizontalen Gärten auf dem Boden sind es in den Städten die vertikalen Gärten mit Bäumen und begrünten Fassaden, die die Bienen anzieht. Und in der Stadt haben sie es manchmal sogar besser als auf dem Land mit den großflächigen Maisfeldern und regelmäßigen Giftduschen, mit Insektiziden oder Herbiziden, welche die Pflanzenvielfalt in den Monokulturen wegspritzen.

Unsere Bienenspezialistin liebt es, ganz besondere Honigsorten zu haben. Sie packte ihre Tasche aus, machte einige Gläschen auf und verteilte mit Holzstäbchen kleine Kostproben: Berliner Ahorn- Kastanienhonig mit dem kräftigem Kastaniengrundton und  feiner Ahornnote und sommerlich-süßer Lindenhonig. Und wie schmeckt München?

Auf unserer Exkursion waren zwei Imker mit dabei (leider hatten sie keine Münchner Kostproben mitgebracht): ein Münchner Bio-Imker, ja sogar Demeter-Imker, und ein junger Mann, der in der Schule zum Imkern kam. Worin liegen die Unterschiede: Stadtimker, Bio Imker, Bio nach Demeter? Imker gehen ganz verschieden um mit ihren Bienen. Die Unterschiede können ebenso groß sein wie bei der Massentierhaltung und dem Zusammenleben mit einem Haustier. Angefangen bei der Varroa- Milben-Behandlung, der Fütterung in der Herbst- und Winterszeit, bis hin zu der Frage wieviel Honig man entnimmt oder den Bienen im Stock belässt. Das wurde ein eigenes Kapitel der Exkursion.

Was können Sie tun, selbst wenn Sie keine eigenen Bienen halten? Lassen Sie an der Fensterbank, am Balkon, im Garten Bienenweide und Schmetterlingspflanzen schon wachsen. Gedeiht bei Ihnen schon ein Efeu der, der, sobald er -alt genug- im Herbst blüht, eine wunderbare Bienenweide ist? Ergreifen auch Sie Initiative und lassen Sie sich umschwärmen!

Urbanität heißt Vielfalt im städtischen Raum. Das gilt sowohl für das Zusammenleben von Menschen, ihre städtischen Lebensgewohnheiten und -formen, das gilt auch für die Vielfalt in der Natur von Tieren und Pflanzen und natürlich im Zusammenspiel mit den Menschen. Hier stehen wir noch am Anfang einer neuen Welt des Miteinanders, der Symbiosen, der Lebensfreude, der Vielfalt und auch der Biodiversität.

Dr. Nico Döring

Präsentation Erika Mayr: Klicken Sie hier

Pressestimmen: Klicken Sie hier

Einige Webseiten mit Informationen über Bienenhaltung und -zucht sowie urban gardening (natürlich unvollständig):

http://www.diehonigpumpe.de
http://flugradius.de
http://bienen-helfen.html
http://www.muenchen.deutschland-summt.de
http://www.bienenretter.de
http://www.einfachbienenhalten.de
http//www.muenchen-querbeet.de
http://www.bund.net/...wildbienen
http://imkereipixis.de/2014/presse/beitrag-zur-stadtimkerei-in-lebendige-erde-12014
http://www.greencity.de
http://urbangardeningmanifest.de/manifest

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