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Sonntag: 24.02.2019

Referentin: Katrin Hartmann, Journalistin und Autorin

Wiederholung

Die grüne Lüge: Film und Diskussion mit Kathrin Hartmann

Bio, nachhaltig und grün – viele Produkte des täglichen Lebens werden damit beworben, dass sie ökologisch verantwortbar sind. Bio-Lebensmittel, Elektroautos oder nachhaltiges Palmöl sollen helfen, die Welt zu retten. Der Film “DIE GRÜNE LÜGE“ behandelt sowohl Nachhaltigkeitsaspekte im alltäglichen Leben der Konsumenten und die damit verbundenen Herausforderungen wie auch das Greenwashing globaler Konzerne.
Gemeinsam mit dem österreichischen Filmemacher Werner Boote – insbesondere bekannt durch den Film „Plastic-Planet“ – hat Kathrin Hartmann recherchiert was sich alles hinter dem Siegel Nachhaltigkeit verbirgt. Bereits in ihrem Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ hat Kathrin Hartmann das Agieren großer Konzerne u.a. bei der Palmölproduktion unter die Lupe genommen und aufgezeigt, wie die Konzerne gezielte Desinformation betreiben.
Mit der Aussage von Werner Boote „Mir wird gesagt, dass ich die Welt retten kann; man muss nur die richtigen Verpackungen im Supermarkt wählen und Versprechungen zur Nachhaltigkeit glauben“ beginnt der Film. Während Boote für die naiven Fragen zuständig ist, spielt Hartmann die Aufgeklärte, die für die unerbittlichen Fragen zuständig ist. Auf diese Weise gelingt es den beiden immer wieder die Machenschaften der Public-Relation-Maschen der Konzerne zu entlarven. Außerdem werden Menschen besucht, die Widerstand gegen die Umweltzerstörung in ihrer Heimat leisten.
Eine zentrale Aussage des Films ist die direkte Kritik an einer Politik, die die Verantwortung für ökologisch und fair gehandelte Waren den Verbrauchern zuschiebt und keinerlei Schutz vor irreführender Werbung bietet. Denn das richtige Einkaufen erweist sich als große Falle, wenn die konkreten Auswirkungen bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung unsichtbar gemacht werden.
Der Film von Boote und Hartmann enthält zahlreiche Informationen, die im täglichen Nachrichtenfluss nicht genannt werden und er vermittelt vor allem, wie sich die Gefahren einer Produktion unter dem grünen Image der Konzerne nicht allein in nackten Zahlen wiedergeben lassen, sondern im realen Leben von wirklichen Menschen. Ein unglaublich wichtiger Film, der viel Stoff zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten bietet, aber gleichzeitig auch aufzeigt, was sich politisch ändern müsste.
Zum Filmstart ist gleichzeitig auch das Buch „DIE GRÜNE LÜGE – WELTRETTUNG ALS PROFITABLES GESCHÄFTSMODELL“ von Kathrin Hartmann erschienen. Nach dem Film bot sich Gelegenheit, mit Kathrin Hartmann über Ihre Anliegen zu diskutieren.

Herr Helmut Schmidt moderierte die Veranstaltung.

Zur Person Kathrin Hartmann:
Kathrin Hartmann (*1972 in Ulm) studierte in Frankfurt/Main Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik. Bei der Frankfurter Rundschau war sie Redakteurin für Nachrichten und Politik. Danach arbeitete sie von 2006 bis 2009 als Redakteurin bei Neon. Zwischenzeitich sind mehrere Bücher von ihr erschienen, 2009 „Ende der Märchenstunde“, ferner ein Buch über die Armut mit dem Titel „Wir müssen leider draußen bleiben“, das großes Aufsehen erregte und 2015 das Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ das sich mit ähnlichen Themen wie der Film befasst. Kathrin Hartmann lebt und arbeitet in München


 

 

Donnerstag, 19.10.2017

Referent: Peter Driessen, Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern (IHK), Hauptgeschäftsführer

Grußwort: Stephanie Jacobs, Berufsmäßige Stadträtin, Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU), Landeshauptstadt München  

Die Umwelt-Akademie e.V. hat bereits im Juni 2015 dem Oberbürgermeister Dieter Reiter den Vorschlag gemacht, für die weitere Entwicklung Münchens eine „Nachhaltigkeitsstrategie“ zu erarbeiten; und hierzu – wie etwa in Hamburg, Dortmund, Potsdam, Augsburg – vom Stadtrat einen „Nachhaltigkeitsrat“ zu berufen, besetzt mit Personen aus der gesamten Stadtgesellschaft. Ein verbindlicher Rat, der den Stadtrat unabhängig, aber einschlägig berät; es gibt nämlich in München kein Gremium, das fernab vom Tagesgeschehen und von politischen Einzel-Interessen über die mittel- und langfristige nachhaltige Entwicklung nachdenkt.
Der Stadtrat hat im September 2016 einen zustimmenden Beschluss zu den Sustainable Development Goals (SDGs), also zu den von den Vereinten Nationen völkerrechtlich verbindlich beschlossenen 17 Zielen Nachhaltiger Entwicklung gefasst; seither läuft die Diskussion in München unter dem Stichwort „Nachhaltigkeitsstrategie_Agenda 2030“.

Ende 2016 hat dann sich eine „Münchner Initiative Nachhaltigkeit“ (MIN) gegründet, der inzwischen über hundert Nicht-Regierungs-Organisationen angehören. Als Forderung ist formuliert: „Wir wollen so leben und wirtschaften, dass die Entwicklungschancen heutiger und künftiger Generationen – in München und weltweit – gewahrt und verbessert werden und dass München nicht auf Kosten anderer Weltregionen lebt“. Ein hehres Ziel.
Seither wurden seitens der Zivilgesellschaft eine Vielzahl von Gesprächen über den zu gründenden Nachhaltigkeitsrat mit Vertretern aller Sektoren der Münchner Stadtgesellschaft geführt. Mit den Bürgermeistern, den Parteien im Rathaus, mit einer ganzen Reihe verantwortlicher Stadtminister, dem Stadtkämmerer, mit Menschen in verantwortlichen Positionen von den Sozialverbänden, aus Banken und Unternehmen, Gewerkschaften, den Hochschulen, Jugend- und Studierendenvertretungen, Kirchen und weltanschaulichen Organisationen usw. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die allermeisten Gesprächspartner die Notwendigkeit eines solchen Nachhaltigkeitsrats für München sehen, die Idee unterstützen und auch bereit wären, an einem solchen Gremium als Mitglied aktiv mitzuwirken.

Demnächst haben wir, die MIN-Initiatoren aus der Zivilgesellschaft, ein vertiefendes Gespräch mit dem Oberbürgermeister, das hoffentlich den Durchbruch bringt.
Am 19.10.2017 haben wir nun just zwei Positionen zum Thema Nachhaltigkeit für München gehört und – durchaus auch streitig – diskutiert: Aus Verwaltung und Politik die Berufsmässige Stadträtin Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt der LHM (RGU), und aus der örtlichen Wirtschaft der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern (IHK), Peter Driessen.
Frau Jacobs, RGU, betonte zunächst die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung Münchens, insbesondere auch vor dem Hintergrund des starken Zuwachses an Einwohnern bei zugleich schwindenden Ressourcen. Sie erinnerte an Hans Carl von Carlowitz, der – u.a. aus der Forstwirtschaft kommend – den Begriff Nachhaltigkeit vor rd. 300 Jahren erfand mit der Forderung, es dürfe kein Raubbau betrieben und nur so viele Bäume geschlagen werden, wie aus der Natur heraus nachwachsen können. Für München bedeute dies ein stetiges Ringen um Flächen für Bebauung, städtisches Grün, Radwegen, Photovoltaik-Anlagen, ÖPNV.

Dabei würden auch die verpflichtenden SDGs der Vereinten Nationen – die weltweit auch für Kommunen wie die Stadt München gelten – keineswegs Wirtschaftswachstum ausschließen, wohl aber nachhaltiges Wachstum verlangen (SDG-Ziel 8). Deshalb gehöre Ökonomie, Ökologie und Soziales zusammen. Ein Beispiel im Bereich „Wirtschaft“ sei das erfolgreiche städtisch-unternehmerische Programm „Ökoprofit“: Mit bereits einjähriger Amortisationszeit würden hier ökologische Verbesserungen im betrieblichen Alltag erreicht, z.B. mit der Innovation einer neuen, ökologisch weltweit führenden Trocknungsanlage bei einem Münchner Autobauer. Erwähnenswert sei auch das städtische Programm für E-Mobilität mit 2 x 30 Mio. Euro Fördersumme; 2020 werde der erste ÖPNV-Elektrobus auch auf längerer Strecke einsatzbereit sein.

Nachhaltigkeit verlange aber auch Verhaltensänderung vom Einzelnen, z.B. als Besitzer von smartphones oder „dicken Autos“ vor dem Bio-Supermarkt. Ein Weiter-so jedenfalls könne es nicht geben. Die Stadt habe auch deshalb die „Klimaziele 2050 für München“ beschlossen, was ein „klimaneutrales“ München bedeuten werde, also eines ohne Kohle, Öl und Gas; mit einem CO2-Ausstoss von dann 0,3 Tonnen pro Kopf und Jahr, um die Erderwärmung auf  maximal +1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit zu begrenzen.

Dieses Ziel bekräftigte auch Peter Driessen, IHK, in seinem nachlesenswerten Vortrag „Bayerische Wirtschaft und Nachhaltigkeit“, siehe:  

Präsentation Peter Driessen: Klicken Sie hier

In Zeiten globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcenknappheit gewinne die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen immer weiter an Bedeutung. Nicht nur Investoren, Geschäftspartner und Kunden interessiere verstärkt, unter welchen ökologisch-ökonomisch-sozialen Bedingungen künftig produziert und gehandelt werden wird; diese sei nämlich erheblichen Unsicherheiten unterworfen. Zunehmend fordern auch weltweite, europäische oder nationale politische Regulierungsvorgaben, wie z.B. die Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen, der „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ oder das Gesetz zur CSR-Berichtspflicht (Corporate Social Responsibility) mehr nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften von Unternehmen ein.

Dieser Paradigmenwechsel stelle viele – insbesondere global agierende – Unternehmen vor große Herausforderungen. Mit ihrem Engagement reagiere die bayerische Wirtschaft auf diese Entwicklungen und knüpfe damit an eine lange Tradition an. Denn schon 1956 verpflichtete der Gesetzgeber die IHKs, für „die Wahrung von Anstand und Sitte des Ehrbaren Kaufmanns“ zu wirken, dessen Werte für viele Unternehmen bis heute handlungsleitend sind.

Vor diesem Hintergrund setzt die bayerische Wirtschaft auf Freiwilligkeit. Verpflichtende Standards dürfen die Unternehmen nicht überfordern und nicht zu noch mehr Bürokratie führen. Zugleich bestärkt die IHK ihre Mitgliedsunternehmen fortwährend in einer verantwortungsvollen Unternehmensführung und unterstützt sie – mit zunehmenden Erfolgen – dabei, ökonomische, gesellschaftliche und ökologische Verantwortung ganz bewusst als Erfolgsfaktor in die Unternehmensstrategie, Produkte und Betriebsabläufe zu integrieren.


Die anschließende Diskussion fand auf sehr hohem Niveau statt, überwiegend zum Thema Luftreinhaltung in Städten. Naturgemäß waren Jacobs und Driessen beim Thema „blaue Plakette“ als Voraussetzung für den Ausschluss von „Stinker-Fahrzeugen“ aus Innenstädten nicht unbedingt einer Auffassung. Dabei distanzierte sich Driessen ausdrücklich von Betrugsvorgängen in der Dieselaffäre. Jacobs hielt das hohe Gut des Vorrangs der menschlichen Gesundheit vor einem motorisierter Individualverkehr hoch – so müsse der ÖPNV, z.B. bei Trams, deutlich schneller ausgebaut und der Fahrradverkehr auch zulasten motorisierten Verkehrs bevorzugt werden.
Auf die Frage, wie Politik und Wirtschaft die Ziele der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes erreichen wollten, betonten beide, dass es dafür keine Blaupausen gebe; es gelte, im stetigen Dialog auch unter Einschluss der Zivilgesellschaft, einem voranschreitenden Diskussions-Prozess mit Höhen und Tiefen, zu einvernehmlichen und zielführenden Lösungen zu kommen.      




 

Diese Veranstaltung findet statt im Rahmen des Münchner Klimaherbstes

 

 

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Referentin: Dr. Kathrin Greiff, Projektleiterin Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

Wieviele und welche Rohstoffe verbrauche ich eigentlich in meinem Alltag? Wie kann ich diesen Verbrauch verringern?

Vielleicht haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt, als Sie sich unsicher waren, ob die letzte Anschaffung nicht eigentlich überflüssig war. In manchen Bereichen, wie z.B. Strom, lässt sich die Frage nach dem eigenen Verbrauch relativ einfach beantworten. Einen Überblick über den tatsächlichen Verbrauch des eigenen Haushalts in all seinen Facetten zu gewinnen ist jedoch wesentlich schwerer.

Dr. Kathrin Greiff, Projektleiterin Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, hat mit ihren Kollegen zu diesem Thema eine umfassende Studie unter 16 Bottroper Haushalten durchgeführt. In ihrer Forschungsarbeit beschreibt sie den (im Gegensatz zum CO2 Footprint) weniger geläufigen Material Footprint. Dieser berücksichtigt die Rohstoffaufwendungen, die für Produktion und Nutzung der Produkte nötig sind. In ihrer Präsentation zeigte sie erstaunliche Ergebnisse zum Materialaufwand im Alltag, machte jedoch auch deutlich, dass der Material Footprint allein nicht ausreicht, um den eigenen Einfluss auf die Umwelt zu bewerten. So ist eine Ergänzung (z.B. durch den CO2 Footprint) für ein Gesamtbild nötig.
Die Ergebnisse dieser und weiterer Studien stellte sie in ihrem Vortrag vor, um praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, den eigenen Ressourcenverbrauch zu optimieren und zu senken.

Anschließend stellte Frau Dr. Greiff ein simples Tool vor, mit dem man seinen eigenen Haushaltsverbrauch und die Optimierungsmöglichkeiten schnell bestimmen kann: Klicken Sie hier

Präsentation Dr. Kathrin Greiff: Klicken Sie hier


 

 

in Kooperation mit    

 

Dienstag, 03. Juli 2018



Referent: Prof. Dr. Dieter Gerten; Koordinator Erdsystemmodellierung und Leiter Projekt “Planetary Opportunities and Planetary Boundaries“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK); Professor für „Klimasystem und Wasserhaushalt im Globalen Wandel“ an der Humboldt-Universität zu Berlin 

Augenscheinlich befinden wir uns bereits im Anthropozän, dem „Zeitalter der Menschheit“, sagt eine Mehrheit internationaler Wissenschaftler. Der Soziologe Harald Welzer widerspricht, „Schwachsinn“: Nicht „die Menschheit“, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem sei Verursacher (wir haben H. Welzer eingeladen). Dem wiederum widerspricht der heutige Referent: Es ist die globale Nichtbeachtung natürlicher Grenzen, z.B. die Übernutzung von Flächen industrieller Landwirtschaft, unabhängig vom Wirtschaftssystem.
Mitten hinein also in die Tatsache, dass homo sapiens das Erdsystem verändert hat und weiter (irreversibel?) verändert: Klimawandel, Biosphären-Integrität, Stratosphärischer Ozonabbau, Ozeanversauerung, Biogeochemische Flüsse,  Landnutzungswandel, Süßwassernutzung, Aerosolgehalt der Luft, Einführung neuer Substanzen – überall zeigen die Indikatoren nach oben, ins Schlechtere. Gemäß dem normativen Vorsorgeprinzip verweist das Konzept der „Planetary Boundaries“ – der planetaren Grenzen – auf die mit einem Verlassen eines sicheren Handlungsraums verbundenen Risiken.

 
Steffen et.al., 2015; Science; Planetary boundaries – guiding human development on a changing planet

Zu den ökologischen Grenzen kommen soziale: Angesichts heute 850 Millionen hungernder und einem zu erwartenden globalen Bevölkerungszuwachs um 2 bis 3 Milliarden Menschen stellen sich Anforderungen an Nahrung, Wasser, Gesundheit, Bildung, auskömmlichem Einkommen… ganz neu.
Künftig ist eine integrierte Perspektive auf planetare ökologische und gesellschaftliche Belastungsgrenzen (Planetary Boundaries, Hungerbekämpfung, Nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs), globale Gerechtigkeit…) unabdingbar. Ökologische und soziale Grenzen werden in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik künftig zunehmend wahrgenommen werden müssen als Basis und Kommunikationswerkzeug für sektoren- und skalen- übergreifende Ko-Transformationen – so jedenfalls die Hoffnung.
Welche Grenzen sind dem Wohl unseres Planeten und der Menschheit gesetzt? Wo sind sie bereits überschritten – und ließe sich das rückgängig machen oder kompensieren? (Wie) Kann man globale Risiken auf lokale „herunterbrechen“ – oder umgekehrt: Wie wirken sich lokale Übernutzungen (zB. Frischwasserverbrauch) global aus? Warum sind zweifellos nicht in der Natur vorkommende, anthropozäne, gar irrvesersible Krisensignale wie die Freisetzung hochangereicherten Urans oder Gentechnik nicht Untersuchungsgegenstand der „global boundaries“? Wie können die „gelben Warnschilder“ des Konzepts der planetaren Grenzen in Form von „Leitplanken“ nachhaltigen Handelns für Transnationale Organisationen, Regierungen, Jedermann begreifbar werden? Wie können wir auf politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene dafür sorgen, die globalen Ressourcen dauerhaft zu sichern und sie in Zukunft auch gerecht zu verteilen?
Diesen hochkomplexen Fragen hat sich der Wissenschaftler Prof. Dr. Dieter Gerten in Vortrag und (nachdenklicher) Diskussion gestellt, „Koordinator Erdsystemmodellierung“ und Leiter Projekt “Planetary Opportunities and Planetary Boundaries“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK); Professor für „Klimasystem und Wasserhaushalt im Globalen Wandel“ an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Den Präsentationslink finden Sie hier.

 

Foto Quelle: I. Dutz

Zum Weiterlesen:
Den Artikel im PIK Research Portal von Herrn Prof. Dr. Dieter Gerten finden Sie hier.

 

Montag, 07. März 2016

Führung: Prof. Dr. Helmuth Trischler, Forschungsinstitut Deutsches Museum

Fast jeder von uns ist geflogen, hat Obst und Gemüse außerhalb der saisonalen Erntezeit gegessen oder nutzt Plastiktüten. Dass all diese Dinge einen Einfluss auf unseren Planeten haben, ist unbestritten. Inzwischen ist jedoch der Gesamteinfluss des „Menschgemachten“ so groß geworden, dass er nicht nur am Boden und vor Ort, sondern auch problemlos aus dem All gesehen werden kann; wie zum Beispiel die riesigen Gewächshausflächen in Spanien, die Plastikabfallstrudel in den Ozeanen, das schmelzende Grönlandeis. Der Mensch hat im letzten Jahrhundert begonnen, die Erde irreversibel zu verändern. Es wurden neue Radionuklide erschaffen, Tier- und Pflanzenarten sind aufgrund Menscheneinfluß ausgestorben und neue – genverändert – gezüchtet worden, die Globalisierung macht sich die Natur „untertan“.

Große Veränderungen in der Geschichte der Erde werden klassisch mit dem Beginn einer neuen Ära benannt. Nun sind die menschlichen Veränderungen so groß geworden, dass sich der Begriff „Anthropozän“ durchzusetzen beginnt. Das „Zeitalter des Menschgemachten“. Im Positiven, aber insbesondere auch im Negativen. Was ist der Beginn: Die Kohleverbrennung ab 1880 oder der erste Nukleartest 1951?

Um einen Eindruck davon zu bekommen und die Dimensionen unseres Eingriffs in Umwelt und Natur besser einschätzen zu können, besuchten wir die Sonderausstellung „Willkommen im Anthropozän“ im Deutschen Museum. Professor Trischler, Museumsleiter im Bereich Forschung am Deutschen Museum und Geschichtsprofessor an der LMU München, gewährte uns einen spannenden Eindruck in das noch junge Anthropozän.

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