Mittwoch 27.11. 2019

19:00 Uhr


Im Rahmen unserer Biodiversitätsreihe

Referent:  Dr. Sebastian Meyer vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TU München

Liebe Freunde der Umwelt-Akademie,

 
die Welt verliert zur Zeit Tier- und Pflanzenarten mit rasanter Geschwindigkeit. Gleichzeitig wächst
die Einsicht, wie sehr wir auf intakte Ökosysteme angewiesen sind. Sie stellen für uns Menschen
existenzielle Dienstleistungen bereit wie etwa die Bestäubung der Blüten durch Insekten, die
Fruchtbarkeit der Böden und sauberes Grundwasser. Wie ist es um diese Leistungsfähigkeit bestellt,
wenn weltweit immer mehr Arten aussterben? Funktioniert ein artenarmes Ökosystem schlechter als
ein artenreiches?

Um diese Frage zu klären, wurde 2002 das sogenannten Jena Experiment begonnen, eines der
umfangreichsten und am längsten laufenden Biodiversitätsexperimente weltweit. Als
Forschungsobjekt wurde das Modell-Ökosystem Wiese gewählt. Auf rund 600 Versuchsparzellen
wachsen künstlich zusammengesetzte Graslandschaften, von der Monokultur (nur eine Art) bis hin
zur Wiese aus 60 verschiedenen Pflanzenarten. Da bis auf die Artenzahl alle anderen Faktoren
konstant gehalten werden, lässt sich untersuchen, ob und wie die Artenvielfalt die ökologischen
Prozesse beeinflusst, die den Ökosystemleistungen zugrunde liegen.

Untersucht wurde der Einfluss der Artenvielfalt auf Pflanzen, Tiere, Bodenorganismen und die
Kreisläufe von Wasser, Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor. Das Hauptergebnis nach 80.000
Messungen ist, dass die Zahl der Pflanzenartenbei fast der Hälfte der untersuchten Prozesse eine
wichtige Rolle spielt. Geht die Artenzahl zurück, sinkt die Leistungsfähigkeit des Ökosystems. Daher
bedeutet das weltweite Massenaussterben nicht nur, dass ein Teil des evolutionären Erbes der Erde
unwiederbringlich verloren geht, sondern dass es uns Menschen auch direkt beeinflusst.

Dr. Sebastian Meyer vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TU München stellte in seinem
Vortrag das Jena Experiment vor und erläuterte die wichtigsten Ergebnisse . Zum Abschluss gab
er noch einen kurzen Ausblick, welche Relevanz die Ökosystemforschung für den Naturschutz
hat.



 

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