Donnerstag: 16.05.2019

19:00 Uhr

Referent: Rolf Buschmann, BUND-Referent für technischen Umweltschutz

Nanopartikel – Eine neue Gesundheitsgefahr?

Was bedeutet "Nano"?

Der Begriff "Nano" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zwerg. Ein Nanometer (nm) ist ein Milliardstel eines Meters. Ein DNS-Strang ist 2,5 Nanometer, ein Proteinmolekül 5 Nanometer, ein rotes Blutkörperchen 7.000 Nanometer und ein menschliches Haar 80.000 Nanometer breit. Zum Vergleich: Ein Nanopartikel verhält sich in der Größe zu einem Fußball wie der Fußball zur Erde.

Durch die stark verkleinerte Partikelgröße kommt es bei Stoffen in Nanoform zu grundlegenden Änderungen der physikalisch-chemischen Eigenschaften. Im Vergleich zu größeren Partikeln gleicher chemischer Zusammensetzung weisen Nanoteilchen eine höhere chemische Reaktivität, eine größere biologische Aktivität und ein stärkeres katalytisches Verhalten auf. Ursache dafür ist die bei gleichbleibendem Gesamtvolumen stark vergrößerte Oberfläche von Nano-Stoffen.

Zunehmend Nanopartikel in Lebensmittel

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ermittelte, lt. BUND, ca. 630 Anwendungen von Nanopartikeln in Lebensmitteln. Ein knappes Drittel betraf Inhalts- und Zusatzstoffe, die nirgends gekennzeichnet sind. Die Behörde schätzt die tägliche Zufuhr auf 1,28 mg/kg Körpergewicht. Die größte Menge dürfte wieder ausgeschieden werden. Die Nanopartikel können anscheinend jedoch auch von der Darmschleimhaut aufgenommen werden.

Ernährungsphysiologisch ist es keinesfalls nötig, Lebensmittel mit synthetischen Nanopartikel zu versetzen.

Häufig verwendet wird aber z.B. das Silziumdioxid (SiO2), welches als Zusatzstoff E551 (in Suppen, Gewürzen, Instant-Kaffee) eingesetzt wird um das Verklumpen zu verhindern. Auch Titandioxid TiO2 (E171) ist ein beliebter Zusatzstoff, weil er besonders Weiß ist und damit selbst als Farbstoff oder als Untergrund für andere Farben zu einem strahlenden Äußeren insbesondere bei Süßigkeiten beiträgt. Untersuchungen an verschiedenen Lebensmitteln durch den BUND und eine französische Umweltorganisation zeigten, dass sich für beide Zusatzstoffe relevante Anteile an Nanopartikeln nachweisen lassen, die jedoch trotz gesetzlicher Vorgaben nicht als solche gekennzeichnet sind.

Risiken häufig eingesetzter Nanomaterialien

Die gleichen veränderten Eigenschaften, die Stoffe in Nanogröße so interessant für Forschung und Entwicklung machen, könnten auch neue Gefahren für Gesundheit und Umwelt mit sich bringen. Bisher hinkt die Erforschung der Risiken und Nebenwirkungen der Vermarktung von Nano-Produkten jedoch noch stark hinterher. 

Verschiedene Studien haben zwischenzeitlich die Begünstigung oder Ausbildung von Entzündungsreaktionen im Magen-Darm Trakt mit der Einwirkung von Siliziumdioxid und Titandioxid Nanopartikeln in Verbindung gebracht. Außerdem wurde Titandioxid als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Einatmen“ eingestuft, insbesondere wenn Nanopartikel als Pulver eingeatmet werden und in die Lunge gelangen.

Vortrag und Diskussion

Den aktuellen Wissensstand präsentierte uns der BUND-Referent für technischen Umweltschutz, Rolf Buschmann. 

Dr. Rolf Buschmann 

geb. 1962, studierte Chemie an der Universität zu Köln.
Nach einer Zusatzqualifikation zum Umweltschutzexperten Europa, war er über 10 Jahre für das KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung in Köln mit den Arbeitsschwerpunkten Chemie, Toxikologie und Produktbewertung tätig.
Von 2004 bis 2013 war er Referent für Umwelt- und Gesundheitsschutz der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Zuständigkeit für Chemikalienpolitik und Produktsicherheit. Schwerpunktthemen waren z.B. Innenraumluftqualität, Elektromagnetische Felder und Nanotechnologien.

Seit 2013 ist er beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland als Referent für technischen Umweltschutz für die Themenbereiche Abfall & Rohstoffe, Ressourcenschutz, Nanotechnologien und Immissionsschutz zuständig.

Kontakt 
Dr. Rolf Buschmann Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Am Kaiserinnen Augusta Allee 5 10559 Berlin, Germany Tel.: +49 (30) 27586-482 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

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