Montag, 16. Dezember 2013
19:00 Uhr
Neues Rathaus, Großer Sitzungssaal, Marienplatz 8

Grußwort: Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt (RGU) der Landeshauptstadt München (LHM)

Referenten:

  • Prof. Dr. Peter Höppe, Leiter Geo Risks Research/Corporate Climate Center, MunichRe:
    „Menschengemachter Klimawandel: Globale Umweltschäden“
  •  Gerhard Hofmann, Leiter des Regionalen Klimabüros des Deutschen Wetterdienstes (DWD):
    „Stadtklima München 2050“.

Grundlage dieser Veranstaltung war die Tatsache, dass die unbestreitbare Erwärmung der Atmosphäre  schon jetzt erhebliche Konsequenzen für die Menschen überall auf dem Globus und auch Konsequenzen hier in München hat.

Zuerst der konkrete Blick auf die Unwetterereignisse, die weltweit auf die fortschreitende Erd-Erwärmung zurückgeführt werden. Klar ist: Nicht jeder Hitzesommer, nicht jeder Hurrikan, nicht jedes Hochwasser, nicht jede Dürre ist „Klima“; so etwas hat es schon immer gegeben, „Wetter“ eben. Statistisch relevant feststellbar aber sind solche Unwetterereignisse in den letzten Jahrzehnten weltweit zunehmend. Uns interessieren die globalen Regionen, in denen Unwetterereignisse zunehmen, deren Häufigkeit und verstärkte Heftigkeit, sowie die (finanziellen) Schäden, die diese bewirken. Wer könnte dies besser darstellen, als derjenige, der über die weltweit größte Unwetter-Schadens-Datenbank verfügt?

Prof. Dr. Peter Höppe Kernaussagen: Geopghysikalische Ereignisse z.B. aufgrund Vulkanausbrüchen, Tsunamis oder Erdbeben sind kaum relevant. Die größten Schäden der derzeit 34.000 dokumentierten Schäden waren die Hitzewelle 2003 in Europa mit >70.000 Hitzetoten, die Waldbrände in Russland im Sommer 2010 mit >56.000 Toten , die Überschwemmungen in Queensland/Australien im Winter 2010/11, die teuerste Überschwemmungskatastrophe der Menschheit, Thailand Herbst 2011, die Dürreperiode in den USA im Sommer 2012 und die zweitteuerste Überschwemmung in Deutschland im Sommer 2013. Und: Die seit 20 Jahren global und auch in Europa exponentiell zunehmenden meterologischen (Sturm), hydrologischen (Überschwemmungen) und klimatologischen (Dürren, Hitzewellen, Waldbrände) Unwetter-Schäden sind zu >95% Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen.

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Als Zweites der Blick auf München: Die AZ hatte es am 13.11. ganzseitig auf den Punkt gebracht: Hochwasser, Starkregen, Hitzestau sind für München zu erwarten. Heute schon, morgen und übermorgen hat der Klimawandel – oft unbemerkt und schleichend – Auswirkungen auf menschliches Wohlbefinden, (Energie-) Verhalten der Bürger, Mobilität, Wirtschaftsentwicklung, Stadtentwicklung. Konkret: Mehr hitzegeschädigte Menschen – mehr Krankenhausbetten, mehr kühlende Grünzonen in der Stadt? Heftigere Regenfälle – weniger Biergärtenbesuche, zu vergrößernde  Abwasserkanäle in allen Straßen und neue Regenrückhaltebecken? Gletscherschmelze in den Alpen – weniger Ski-Spaß, Hochwässer und Wassermangel in München? Wer könnte dies besser darstellen, als derjenige, der für die Stadt München bis 2015 gutachterlich ermittelt, welche Folgen der Klimawandel für unsere Stadt hat?

Gerhard Hofmann konzentrierte sich auf die Temperaturentwicklung in München: Unstreitig sei die Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung, zuletzt in den vergangenen 40 Jahren erheblich angestiegen; und zwar stärker als der globale Durchschnitt von +0,85 Grad. Die Prognose bis 2050 lässt eine Temperatursteigerung in den nächsten 40 Jahren von 2 bis 4 Grad (!!) erkennen. Auch die Zahl der „Sommertag“ (>25 Grad) ist in Vergangenheit gestiegen und wird weiter deutlich steigen. Was manchem zunächst wünschenswert erscheinen mag: Folie 8 „Temperaturgang in München“ (01.08.2012) zeigt, dass die gefühlte Temperatur in der Stadt höchst unterschiedlich und vielfach z.B. in Straßenfluchten und dicht bebauten Bereichen keineswegs mehr angenehm ist. Im Sommer klarer Trend: Mehr Hitzetage, mehr Hitzetote.  

Präsentation Gerhard Hofmann: Klicken Sie hier

Und das wird politische Entscheidungen für die Landeshauptstadt zur Folge haben: Investitionen, Verkehrsströme, Siedlungsänderungen, mehr Luftschneisen. Wer könnte dies besser beleuchten, als derjenige, der das Gutachten in Auftrag gegeben hat und für die Folgen für München die politische Verantwortung trägt: Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt (RGU) der Landeshauptstadt München (LHM).

In seinem Grußwort betonte Lorenz noch einmal, dass Maßnahmen des Klimaschutzes die eine Seite der Medaille sei. Die andere aber sei die Notwendigkeit der Anpassung insbesondere der Städte als „Hitzeinseln“ auf den Klimawandel. Der Referent werde demnächst und dann immer wieder erneut den Stadtrat mit unvermeidlichen und sicher sehr teuren Investitionen und Anpassungsmaßnahmen befassen müssen.



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