Diskussionsforum aus der Veranstaltungsreihe „Mutbürger für Energiewende!“
gefördert durch IKEA-Stiftung, Deutsche Bundesstiftung Umwelt,  Selbach-Umwelt-Stiftung, Manfred-Wierichs-Stiftung
in Kooperation mit Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt

Donnerstag, 24. Mai 2012, Schweisfurth-StiftungReferenten:

  • Norbert Endres, Stromsparberatung im Bauzentrum München:
    „Stromsparen in Haus und Hof“
  • Martin Unfried, European Institute of Public Administration, Maastricht:
    “Ihr wollt ja gar nicht Energie sparen!”

Bei dem Thema Energiewende denken wir an Atomausstieg, erneuerbare Energien, Überlandleitungen, Windräder usw.

Aber wer redet vom Naheliegensten?  Vom Energiesparen!

Die Stromkosten sind für Mieter und Eigentümer oft höher als die Heizkosten. Maßnahmen zum Stromsparen sind also nicht nur ein wichtiger Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz, sondern schonen auch unseren Geldbeutel.

  • Doch wie und wo sind die „Stromfresser“ zu finden?
  • Welche technischen Lösungen können den Stromverbrauch nennenswert senken?
  • Unter welchen Umständen sind Energiesparlampen und energiearme Haushaltsgeräte wirtschaftlich?
  • Wie kann der Stromverbrauch – tatsächlich! – halbiert werden, ohne auf den gewohnten Komfort zu verzichten?


Diese Fragen beantwortete uns der Energiespar-Experte Norbert Endres.

Aber warum sparen wir eigentlich so wenig Energie, obwohl wir wissen, es tut dem Klima und unserem Geldbeutel nicht gut? Weil ein spritfressender Sportwagen „cooler“ ist als eine neue, stromsparende Küche? Energie sparen muss „sexy“ werden! Nicht ich muss mich für meinen angeblichen „Energiesparfimmel“ entschuldigen, sondern die Energieverschwender, erklärte uns ernsthaft-humorvoll der Lebensexperte und Öko-Lebemann Martin Unfried.

Einführung Dr. Helmut Paschlau: Klicken Sie hier

Bei der achten Veranstaltung der Veranstaltungsreihe „Mutbürger für Energiewende!“ ging es also im Kern um’s Energiesparen.

Gut nachvollziehbar erörterte Endres die Möglichkeiten der Stromerzeugung,  -verwendung und -einsparung  sowie die damit zusammenhängenden (einfachen) technischen Lösungen. Obwohl nur 27% des gewandelten Stroms von den privaten Haushalten genutzt (47% von der Industrie) wird, bezahlen diese dennoch den Löwenanteil, weil die Industrie seitens der Politik kostenentlastet ist. 40% der Gebäude haben höhere Strom- als Heizkosten. Der Stromverbrauch ist abhängig von der Personenzahl je Haushalt (und damit von Zahl und Größe elektrischer Geräte); ein durchschnittlicher 2-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr rd. 3.000kWh und bezahlt dafür 600 € (bei 1.900kg CO2-Ausstoss).

Das kann zumeist – ohne Komfortverzicht (!) – leicht auf die Hälfte reduziert werden: Bei Beleuchtung 90 €, bei Abschaltung der stand-by-Schaltungen 70 €, bei Haushaltsgroßgeräten ebenfalls 70 € und bei der Heizungspumpe im Keller 60 €/Jahr.

Beispiel Wäschewaschen: 40 statt 60 Grad senkt den Stromverbrauch um 50%, 30 Grad um 70%. Beispiel Kaffeekochen: Kaffeemaschine statt Mikrowelle senkt den Stromverbrauch um 45% (und Thermoskanne statt Warmhalteplatte).

Beispiel stand-by: Abschalten der nutzlosen stand-by –Geräte ergibt 70% Stromeinsparung.
Die Hitliste: Stand-By-Abschalter (z.B. TV, PC, Stereo), Spülmaschine anschließen an Warmwasseranschluss, Energiesparlampen (wenn sie mindestens 2h pro Tag leuchten), A+++Kühlschrank, A-Klasse Heizungspumpe. Das alles kostet wenig und bringt viel!

Präsentation Norbert Endres: Klicken Sie hier

Mit einem völlig anderen Ansatz verfolgt Unfried das gleiche Ziel.

Wenn es um’s Stromsparen geht finden wir zahlreiche Ausreden:  Zum Strom-Sparen sind wir technisch noch nicht weit genug! Das können wir uns finanziell gar nicht leisten! Und gesetzlich vorschreiben können wir Energie-Sparen doch auch nicht!! Stimmt das?

Warum kann man Brandschutzmaßnahmen und Garagengrößen vorschreiben, Stromsparen aber angeblich nicht? Warum hat man kein Geld für einen stand-by-Abschalter, kauft sich aber  – ohne großes Nachdenken – das allerneueste iPad! Weil die Emotionen und nicht der Kopf die Kaufentscheidung treffen. Beim Produkt-Verkauf geht es um’s Herz: Beispiel „Faszination BMW“, da wird vorrangig Lebensgefühl verkauft. Umgekehrt ist das 3-Liter-Energiespar-Auto angeblich zu teuer – in Wahrheit aber einfach nur „unsexy“ und damit der beste Garant, es nicht zu kaufen. Neue Konsumleitbilder müssen her, Energiesparen muss emotionaler Kauf-Standard, muss sexy werden, weg vom erhobenen Zeigefinder.

Präsentation Martin Unfried: Klicken Sie hier

Sehr kontrovers gestaltete sich die anschließende Diskussion: Die einen meinten, man könne nicht alles emotional sehen; seit der Aufklärung wissen wir doch unseren Kopf einzuschalten; der Klimawandel sei für die Menschheit zu dramatisch, als dass man ihn emotional-scherzhaft kleinreden dürfe. Die anderen betonten, nicht jeder sei vernünftig, die meisten ließen sich von der Industrie einlullen, die auf Kaufemotion setzt; insofern ist niemand davor geschützt. Also: Neue Gesetze, Vorbilder und Produkte braucht das Land!

Dann:

  • konkrete Vorschläge (eine best-practice-Verordnung, nach der neue Produkte nur auf den Markt gebracht werden dürfen, wenn sie weniger Energie verbrauchen als auf dem Markt befindlichen),
  • konkrete Fragen (Haben Energiesparlampen das gleiche Licht-Farbenspektrum wie bisherige Glühlampen (nein)? Können sie gedimmt werden (ja)?)
  • konkrete Beispiele (programmierbare Heiz-Ventile). Und eine „lebensechte“ Energiesparliste SOLL-IST!

Energie-Sparliste: Klicken Sie hier

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